Eine Wahlarztversicherung fürs Kind ist für viele Familien der praktischste Baustein der gesamten Kinderzusatzversicherung – denn sie wirkt nicht erst im seltenen Ernstfall, sondern im ganz normalen Alltag. Wenn Ihr Kind dringend zum Facharzt muss, der nächste Kassentermin aber erst in Monaten frei ist, dann zeigt sich ihr Wert. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen ehrlich, was die Versicherung leistet, was die ÖGK beim Wahlarzt tatsächlich zahlt (Stichwort: das 80-%-Missverständnis) und mit welchen Kosten Sie rechnen sollten.
Kurz gesagt: Eine Wahlarztversicherung fürs Kind sichert freie Arztwahl und kurze Wartezeiten und erstattet einen Großteil des Wahlarzthonorars, das die Kasse nur teilweise ersetzt. Der ambulante Baustein kostet für Kinder meist rund 15–30 € pro Monat. Prämie für Ihr Kind berechnen.
Was ist eine Wahlarztversicherung fürs Kind?
Eine Wahlarztversicherung fürs Kind ist kein eigenes Produkt, sondern der ambulante Baustein einer Kinderzusatzversicherung. Sie greift, wenn Sie mit Ihrem Kind zu einem Wahlarzt gehen – also zu einer Ärztin oder einem Arzt ohne Kassenvertrag. Diese behandeln privat und stellen Ihnen ein Honorar in Rechnung, das Sie zunächst selbst bezahlen. Einen Teil davon erstattet die gesetzliche Kasse (ÖGK), den verbleibenden Eigenanteil übernimmt die Wahlarztversicherung – je nach Tarif ganz oder zu einem hohen Prozentsatz.
Der Begriff wird im Alltag oft mit „Privatarzt“ gleichgesetzt. Streng genommen behandelt ein Wahlarzt zwar privat, ist aber im Kassensystem als Arzt registriert, sodass die ÖGK einen Teil rückerstattet. Wo genau der Unterschied liegt und wie sich das auf die Erstattung auswirkt, erklären wir im Beitrag Privatarzt- & Wahlarztversicherung allgemein. Eine neutrale Begriffsübersicht finden Sie zudem im Glossar zur privaten Krankenversicherung.
Für Kinder ist genau dieser ambulante Baustein meist der erste, den Eltern in meiner Beratung abschließen – noch vor der Sonderklasse im Spital. Der Grund ist einfach: Er wird am häufigsten gebraucht.
Warum sie für Familien relevant ist
Der häufigste Auslöser für einen Wahlarztbesuch bei Kindern ist nicht ein Notfall, sondern die Wartezeit auf einen Facharzttermin. Genau das erlebe ich in der Beratung immer wieder.
Ein typisches Szenario: Ein Kind hat wiederkehrende Ohrenentzündungen, der Kinderarzt empfiehlt einen HNO-Facharzt. Bei der Kassenordination heißt es: nächster freier Termin in drei Monaten. Beim HNO-Wahlarzt im selben Ort bekommt man den Termin in der nächsten Woche. Ähnlich sieht es bei Kinderpsychologie, Augenheilkunde oder Kinderorthopädie aus – Fächer, in denen Kassenplätze knapp und Wartelisten lang sind.
Der konkrete Nutzen der Wahlarztversicherung fürs Kind lässt sich auf drei Punkte zusammenfassen (Richtwerte, Stand 2026):
- Freie Arztwahl: Sie suchen die Ärztin oder den Spezialisten aus, dem Sie vertrauen – unabhängig vom Kassenvertrag.
- Kürzere Wartezeiten: Termine bei Fachärzten sind beim Wahlarzt in der Regel deutlich schneller verfügbar als auf Kassenwartelisten.
- Mehr Zeit pro Termin: Wahlärzte nehmen sich erfahrungsgemäß mehr Zeit – bei Kindern, die sich oft schwer artikulieren, ist das ein echter Vorteil.
Gerade bei Kindern zählt Tempo: Eine früh erkannte Sehschwäche, eine rechtzeitig behandelte Sprachentwicklungsverzögerung oder eine schnelle HNO-Abklärung können den Verlauf spürbar beeinflussen. Verlässliche, neutrale Gesundheitsinformationen dazu bietet das öffentliche Portal gesundheit.gv.at.
Was die ÖGK beim Wahlarzt erstattet – das 80-%-Missverständnis
Hier liegt der wichtigste Punkt, den viele Eltern falsch verstehen. Es kursiert hartnäckig die Annahme, die Kasse zahle „80 % der Wahlarztrechnung“. Das stimmt nicht. Tatsächlich erstattet die ÖGK rund 80 % jenes Tarifs, den sie einem Vertragsarzt (Kassenarzt) für dieselbe Leistung zahlen würde – nicht 80 % des tatsächlichen Wahlarzthonorars.
Da Wahlärzte ihr Honorar frei festlegen und es meist deutlich über dem Kassentarif liegt, fällt die Rückerstattung gemessen an der Rechnung gering aus. Die Differenz tragen Sie selbst – oder eben Ihre Wahlarztversicherung. Ein Rechenbeispiel macht das greifbar (Richtwerte, Stand 2026):
| Position | Betrag |
|---|---|
| Wahlarzthonorar (Rechnung) | 150 € |
| Vergleichbarer Kassentarif | 50 € |
| ÖGK-Erstattung (~80 % des Kassentarifs) | ~40 € |
| Ihr Eigenanteil ohne Versicherung | ~110 € |
Statt der erhofften 120 € (80 % von 150 €) bekommen Sie also nur rund 40 € zurück. Genau diese Lücke von etwa 110 € schließt die Wahlarztversicherung fürs Kind. Die offiziellen Details zur Kostenerstattung beim Wahlarzt finden Sie direkt bei der ÖGK. Über mehrere Arztbesuche im Jahr summiert sich dieser Eigenanteil schnell – und wird zum eigentlichen Argument für den ambulanten Baustein.
Welche Leistungen sinnvoll sind
Die Wahlarzterstattung ist der Kern, aber ein guter ambulanter Tarif kann mehr. Worauf Sie bei einer Kinderzusatzversicherung im ambulanten Bereich achten sollten:
- Wahlarzt-Honorare: Der Kernbaustein. Achten Sie auf den Erstattungssatz und darauf, dass auch Fachärzte (HNO, Augen, Orthopädie, Kinderpsychologie) abgedeckt sind.
- Ambulante Behandlungen & Diagnostik: Untersuchungen, Therapien und ambulante Eingriffe außerhalb des Spitals.
- Heilbehelfe & Hilfsmittel: Brillen, Einlagen, Hörhilfen – bei Kindern oft früher ein Thema, als man denkt.
- Therapien (Physio, Logopädie, Ergotherapie): Hier lohnt der Blick auf das Jahreslimit. Die Unterschiede zwischen Anbietern sind groß und entscheiden über den realen Wert des Tarifs.
- Vorsorge & Impfungen: Manche Tarife übernehmen private Impfungen oder zusätzliche Vorsorgeleistungen.
Aus der Praxis: Die meisten Familien, die ich berate, starten mit dem reinen ambulanten Baustein (Wahlarzt + Therapien) und ergänzen Zahn oder die Sonderklasse im Spital später. Wichtig ist, nicht nur auf den Monatsbeitrag, sondern auf die Jahreslimits zu schauen. Einen vollständigen Überblick über alle Bausteine gibt der Beitrag Kinderzusatzversicherung im Überblick.
Was kostet die Wahlarztversicherung fürs Kind?
Der ambulante Baustein – also die eigentliche Wahlarztversicherung – ist für Kinder der günstigste Teil der Zusatzversicherung. Üblich sind ca. 15–30 € pro Monat für ein gesundes Kind (Richtwerte, Stand 2026). Kommt Zahn oder Sonderklasse dazu, steigt der Beitrag entsprechend.
| Baustein | Richtwert pro Monat (Stand 2026) |
|---|---|
| Ambulant / Wahlarzt | ca. 15–30 € |
| Ambulant + Zahn | ca. 25–40 € |
| Ambulant + Sonderklasse | ca. 40–60 € |
Warum so günstig? Kinder verursachen statistisch geringere Gesundheitskosten als Erwachsene – das spiegelt sich direkt in der Prämie. Der konkrete Beitrag hängt vom Eintrittsalter, dem Wohnort und dem gewählten Leistungsumfang ab. Den genauen Preis für Ihr Kind ermitteln Sie in zwei Minuten im Rechner – Prämie berechnen. Eine ausführliche Aufschlüsselung der Preise und der Faktoren, die den Beitrag treiben, finden Sie unter Kosten der Kinderzusatzversicherung.
Ab wann sollten Sie abschließen?
Die ehrliche Antwort: so früh wie möglich. Die Prämie wird beim Abschluss nach dem Eintrittsalter kalkuliert – je jünger das Kind, desto günstiger der Einstieg, und zwar dauerhaft. Ebenso wichtig: Solange das Kind gesund ist, gibt es bei der Gesundheitsprüfung keine Vorerkrankungen, die zu Zuschlägen oder Ausschlüssen führen könnten.
Aus der Praxis sehe ich zwei typische Zeitpunkte: Viele Eltern schließen kurz nach der Geburt ab (oft über eine Baby-Option ohne erneute Gesundheitsprüfung), andere erst dann, wenn der erste lange Facharzt-Wartelistentermin sie ärgert. Der erste Weg ist günstiger und sicherer – denn wenn beim Kind später eine Erkrankung festgestellt wird, ist ein Neuabschluss oft nur noch mit Einschränkungen möglich.
Als Versicherungsagent vergleiche ich für Sie die ambulanten Tarife mehrerer österreichischer Anbieter – mit Blick auf Erstattungssätze, Jahreslimits und Wartezeiten – statt nur auf den niedrigsten Monatsbeitrag zu schauen. Wenn Sie einen ersten Eindruck zu Beitrag und Leistung für Ihr Kind möchten, starten Sie am besten direkt im Rechner.



